Ich glaube, ich habe in den letzten Tagen mehr Tabs zur Fernuni Hagen geöffnet als in meinem gesamten restlichen Leben zusammen. Modulhandbücher, Studiengänge, Erfahrungsberichte, Gebühren, Prüfungen, Onlinecampus, Skripte…
Je tiefer ich mich einlese, desto mehr schwanke ich irgendwo zwischen:
„Das ist genau das, was ich gesucht habe.“
und
„Oh Gott… worauf lasse ich mich hier eigentlich ein?“
Einschreiben kann ich mich offiziell erst ab Juni.
Trotzdem verbringe ich gerade gefühlt jede freie Minute damit, die Fernuni Hagen zu analysieren, Studieninhalte anzuschauen und herauszufinden, wie dieses komplette System eigentlich funktioniert, um mich schon vorher vorzubereiten.
Ich versuche dir hier die wichtigsten Infos zusammenzufassen und beziehe mich dabei rein auf die Inhalte der Website www.fernuni-hagen.de.
Mein erster Eindruck der Fernuni Hagen
Wenn man die Website der Fernuni Hagen zum ersten Mal öffnet, wirkt alles zunächst ziemlich sachlich, strukturiert und funktional.
Nicht übertrieben modern oder wie manche private Fernhochschule voller Werbeversprechen und Hochglanz-Marketing.
Und auch wenn mich Marketing interessiert, finde ich es sehr sympathisch. Man hat wirklich das Gefühl, hier geht es ums Studieren.
Gleichzeitig merkt man aber auch schnell:
Wer noch nie mit Universitäten oder Hochschulen zu tun hatte, wird anfangs vermutlich erstmal von vielen Begriffen erschlagen.
Studiengänge, Module, ECTS, Campus, Prüfungsformen usw.. gehen wir das Ganze mal Schritt für Schritt durch:
Universität, Studiengänge und Module
Die Fernuni-Hagen ist keine klassische private Fernhochschule, sondern eine staatliche Universität.
Bedeutet, man studiert flexibel von zuhause aus, hat keine Präsenzvorlesungenn, bekommt aber trotzdem einen staatlich anerkannten Abschluss.
Wer kann hier studieren?
Neben dem klassischen Weg über das Abitur gibt es je nach Bundesland und beruflichem Hintergrund auch andere Möglichkeiten, an einer Universität zu studieren.
Mit Fachhochschulreife, beruflicher Qualifikation oder bestimmten Zulassungswegen kann ein Studium ebenfalls möglich sein.
Die genauen Voraussetzungen unterscheiden sich allerdings teilweise stark. Deshalb würde ich empfehlen, sich direkt bei der Studienberatung der Fernuni Hagen zu informieren.
Für mich stellt sich die Frage zum Glück nicht, jetzt muss ich nur noch irgendwo mein Abiturzeugnis finden 😄
Ohne Abitur findet man hier Infos. Zur genauen Einschreibung folgt noch ein gesonderter Beitrag.
Abschlüsse & Studiengänge der Fernuni Hagen
An der Fernuni Hagen kann man nicht nur unterschiedliche Studiengänge studieren, sondern auch verschiedene akademische Abschlüsse erwerben.
So kann man dank der Fernuni-Hagen seinen Alltag managen, arbeiten und folgende Abschlüsse erreichen:
- Bachelor
- Master
- Staatsexamen (Jura)
außerdem:
- Weiterbildungsstudiengänge
- Zertifikate
- Akademiestudium
- Promotion
Da für mich aktuell vor allem der Bachelor relevant ist, möchte ich auf die anderen Abschlüsse erstmal nicht genauer eingehen.
Wer sich dafür interessiert, findet auf der Website der Fernuni Hagen aber viele weitere Informationen.
Spannend finde ich allerdings das Akademiestudium, also eine Art Gasthörerstudium. Gerade für Menschen, die erstmal nur einzelne Inhalte ausprobieren möchten, könnte das interessant sein.
Studiengänge der FernUniversität Hagen
Die Fernuni-Hagen bietet nicht den Umfang an Studiengängen an, wie vergleichsweise private Fernhochschulen, was für mich aber auch nachvollziehbar ist. Dennoch ist die Auswahl für eine Universität, für deren Abschluss man wirklich komplett selbstständig organisiert sein muss, gut. Ich denke es ist auch selbstverständlich, dass man nicht jeden Studiengang als Fernstudium bestreiten kann (siehe Medizin :D).
Neben der Fakultät für Rechtswissenschaft und Psychologie, gibt es noch die Bereiche Kultur- und Sozialwissenschaft, Mathematik & Informatik und natürlich den Zweig den ich anstrebe: Wirtschaftswissenschaft.
Was sind eigentlich ECTS?
Wenn du vor hast zu studieren, begegnen dir immer wieder diese vier Buchstaben:
ECTS-Punkte
Bevor wir uns also weiter mit der Studienorganisation beschäftigen, klären wir erstmal:
Was bedeutet ECTS? Und was sagen mir diese Punkte?
ECTS-Punkte werden oft auch als Credits oder Leistungspunkte bezeichnet. Die genaue Übersetzung bedeutet „European Credit Transfer and Accumulation System“. Aber ganz ehrlich, das musst du dir gar nicht merken. Was jedoch wichtig zu verstehen ist, ist die Wertung dahinter:
Für einen Bachelor-Abschluss sind insgesamt 180 ECTS-Punkte (an der Fernuni-Hagen für Wiwi) notwendig. Anders als die Punktevergabe beim Abitur, bekommt man hier nicht mehr Punkte, für bessere Leistung sondern generell für das Bestehen eines Moduls. Ein Master-Abschluss erfordert dann nochmal 120 ECTS-Punkte.
Für jedes bestandene Modul erhält man also ECTS-Punkte. Für die Bachelor-Arbeit und Seminare erhält man auch welche, so kann man also sein Studium planen.
Doch was sagen diese Punkte noch aus?
1 ECTS steht für einen gewissen zeitlichen Aufwand, sagt jedoch nichts über die Schwierigkeit oder Komplexität aus. Konkret:
1 ECTS = ca. 30 h Lernaufwand.
An der Fernuni-Hagen für den Studiengang Wirtschaftswissenschaft entspricht so ziemlich jedes Modul (2-3 Ausnahmen) 10 ECTS-Punkten, somit ca. 300h Lernaufwand pro Modul.
KURZ ERKLÄRT
✅ ECTS = Leistungspunkte
✅ 1 ECTS ≈ 30 Stunden Aufwand
✅ Bachelor = meist 180 ECTS
✅ Master = meist zusätzlich 120 ECTS
Wieviele ECTS pro Semester?
Für ein Vollzeitstudium sind 30 ECTS pro Semester vorgesehen, also 3 Module. Für ein Teilzeitstudium sind 20 ECTS-Punkte angedacht, also 2 Module pro Semester (ca. 200h Lernaufwand). Klingt auf den ersten Blick vielleicht kompliziert, ist aber schnell verstanden.
Für ein Seminar und die Bachelor-Arbeit gibt es auch jeweils 10 ECTS-Points.
So kann man also sein Vollzeitstudium im idealsten Fall nach 6 Semestern abschließen. Teilzeit dementsprechend länger. Doch hier ist man völlig flexibel. Ob du 1 oder 2 Module belegst, bleibt dir überlassen. Zudem kann man ja auch Prüfungen schieben, was sich auch nochmal auswirkt, dazu aber zu gegebener Zeit mehr.
Was sind Module?
Module sind im Grunde einzelne Themenbereiche eines Studienganges.
Ich beziehe mich hier hauptsächlich auf den Studiengang Wirtschaftswissenschaften, da dieser für mich aktuell relevant ist.
Es ist möglich, dass es in den anderen Bereichen anders ist als im Folgenden. Man kann sich somit Module wie „Fächer“ in der Schule vorstellen.
Der Studiengang Wirtschaftswissenschaft fügt sich aus folgender Aufteilung zusammen:
- 10 Pflichtmodule
- 4 Wahlpflichtmodule
- 1 Modul „Überfachliche Kompetenzen“
- 2 Seminare
- 1 Bachelorarbeit
Pflichtmodule
Für einen erfolgreichen Abschluss sind 10 Pflichtmodule vorgesehen. Das bedeutet, diese Module MÜSSEN belegt und bestanden werden. Ansonsten kann man nicht weiter machen.
Bei Wiwi sind das zum heutigen Stand 2026 folgende:
- 31001 Einführung in die Wirtschaftswissenschaft
- 31011 Externes Rechnungswesen − Buchhaltung, Jahresabschluss, Steuern
- 31021 Investition und Finanzierung
- 31031 Internes Rechnungswesen und funktionale Steuerung
- 31041 Mikroökonomik
- 31051 Makroökonomik
- 31061 Grundlagen des Privat- und Wirtschaftsrechts
- 31071 Einführung in die Wirtschaftsinformatik
- 31101 Grundlagen der Wirtschaftsmathematik und Statistik
- 31102 Unternehmensführung
Da ich bereits vorher einige Semester Wiwi studiert hatte, werden mir Module angerechnet. Somit muss ich diese nicht mehr belegen und bestehen, dazu aber in einem anderen Beitrag mehr.
Jedes dieser Module bringt 10 ECTS-Points, somit hat man mit dem Pflichtteil schon 100 ECTS. Wann man welches Modul belegt, steht einem jedoch frei. Es gibt auf der Website der Fernuni eine Art „Plan“ wie das Studium aussehen könnte, doch ich würde das individuell planen. Zum einen wird evtl. nicht jedes Modul in jedem Semester angeboten (Manche nur im Winter, manche nur im Sommer). Zum anderen studieren ja viele berufsbegleitend. Das bedeutet, das Leben, der Alltag, Familie, Job spielen noch mit rein. Ich würde mir z.B. keine zwei Module in ein Semester packen, bei denen man viel auswendiglernen muss.
Man kann sich für jedes Modul auf der Website eine Beschreibung und eine Leseprobe anschauen. Das würde ich wirklich empfehlen, anstatt einfach irgendwas „nach Plan“ zu belegen. Ich habe mir hierfür sogar Hilfe von ChatGPT geholt. Mein konkreter Studienplan, Infos zu den einzelnen Modulen und wie man lernt folgt hier auf dem Blog.
Wahlpflichtmodule
Neben den Pflichtmodulen gibt es Wahlpflichtmodule. Ich gebe zu, das Wort scheint sich selbst zu widersprechen, doch es hat seinen Sinn: Aus einem Pool an Wahlmodulen MÜSSEN mindestens vier Module belegt werden. Dabei jeweils mindestens eins der betriebswirtschaftlichen Module und mindestens eins der volkswirtschaftlichen und quantitativen Module. Man kann auch ein juristisches Modul wählen, das ist aber nicht verpflichtend.
Neu ist anscheinend, dass das Modul „Überfachliche Kompetenzen“ ein Wahlmodul ersetzen kann. Dazu zählen z.B. bestandene Module aus anderen akademischen Inhalten jenseits der Wirtschaftswissenschaft. Dazu eignet sich dann auch Akademiestudium oder auch die Anerkennung eines Moduls, dessen Leistung an einer anderen staatlichen Hochschule (oder staatlich anerkannten) erbracht wurde.
Betriebswirtschaftliche Module
- 31491 Logistik und Supply Chain Management
- 31501 Finanzwirtschaft
- 31541 Produktionsplanung
- 31581 Unternehmensgründung
- 31591 Unternehmensnachfolge
- 31601 Instrumente des Controllings
- 31611 Innovationscontrolling
- 31621 Grundlagen des Marketing
- 31661 Organisation: Theorie, Gestaltung, Wandel
- 31671 Strategisches Management
- 31681 Grundlagen der Unternehmensbesteuerung
- 31691 Steuerliche Gewinnermittlung
- 31701 Personalführung
- 31711 Verhalten in Organisationen
- 31911 Jahresabschluss nach IFRS
- 31921 Konzernrechnungslegung
- 31991 Handelsmarketing, Electronic Commerce und Digital Marketing
Volkswirtschaftlichen quantitative Module
- 31481 Digitale Ethik
- 31721 Markt und Staat
- 31751 Modellierung betrieblicher Informationssysteme
- 31771 Informationsmanagement
- 31781 Probleme der Wirtschaftspolitik: Arbeitslosigkeit, Gesundheitsökonomik und Alterssicherung
- 31801 Problemlösen in graphischen Strukturen
- 31811 Planen mit mathematischen Modellen
- 31831 Knowledge Management (englischsprachiges Modul)
- 31931 Grundlagen der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen
- 31951 Digitale Transformation
- 31961 Spieltheorie
- 31971 Geldtheorie und Geldpolitik
- 31981 Devisenmärkte, Internationales Währungssystem und Wirtschaftskrisen
Seminare und Bachelorarbeit
Im späteren Verlauf des Studiums gehören auch Seminare und die Bachelorarbeit dazu.
Die Seminare dienen vor allem dazu, wissenschaftliches Arbeiten zu lernen und sich methodisch auf die Bachelorarbeit vorzubereiten. Dabei bearbeitet man ein bestimmtes Thema ausführlicher, erstellt meist eine schriftliche Ausarbeitung und präsentiert Inhalte teilweise zusätzlich mündlich.
Die Bachelorarbeit bildet schließlich den Abschluss des Studiums. Hier bearbeitet man eigenständig innerhalb einer festgelegten Zeit eine wissenschaftliche Fragestellung aus dem eigenen Fachbereich.
Um sich für die Bachelorarbeit überhaupt anmelden zu können, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, wie z.B. mindestens 130 ECTS erreicht und die erfolgreiche Teilnahme an mindestens einem Seminar. Wenn ich soweit bin, werde ich auch dazu ausführlich berichten. Der Umfang beläuft sich auf ca. 30-50 Din A4-Seiten.
Interessant finde ich außerdem, dass laut Website eines der beiden Seminare sogar durch ein Wahlpflichtfach ersetzt werden kann.
Jedes Seminar und die Bachelorarbeit bringen jeweils 10 ECTS-Punkte.
Hat man somit mit Wahl- und Pflichtmodulen 150 ECTS-Punkte gesammelt und erhält mit den erfolgreich absolvierten Seminaren und der Bachelorarbeit weitere 30 ECTS-Punkte, hat man seinen Bachelor of Science abgeschlossen.
Zwischen Motivation und Überforderung
Auch wenn ich offiziell noch gar nicht eingeschrieben bin, habe ich das Gefühl, bereits jetzt einen kleinen Einblick in diese neue Welt bekommen zu haben. Die Fernuni Hagen wirkt auf mich gleichzeitig spannend, anspruchsvoll und überraschend flexibel.
Natürlich fühlt sich vieles noch neu und teilweise auch etwas überwältigend an. Begriffe, Abläufe, Module, Fristen… am Anfang muss man sich erstmal zurechtfinden. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass genau dieses selbstständige Lernen unglaublich gut zu meinem aktuellen Leben passen könnte.
Besonders schön finde ich den Gedanken, dass das Studium nicht nur etwas für Menschen direkt nach dem Abitur ist. Die Fernuni Hagen zeigt eigentlich ziemlich gut, dass man auch mitten im Leben nochmal etwas Neues anfangen kann. Mit Kindern, Alltag, Arbeit und all dem Chaos dazwischen.
Ich bin gespannt, wie sich mein erster Eindruck in den nächsten Monaten verändern wird. Bis dahin werde ich hier vermutlich noch öfter über meine Erfahrungen, Fragen, Lernmethoden und wahrscheinlich auch kleinere Verzweiflungen schreiben 😄
Nach dem ersten Überblick stellen sich natürlich noch mehr Fragen.
Deshalb möchte ich dich hier komplett mitnehmen:
Einschreibung, Anerkennung alter Leistungen, Modulbelegung, Lernmethoden, Studienmaterial, Discord-Gruppen, Prüfungen und vermutlich auch die ein oder andere kleine Krise zwischendurch 😄
Falls du selbst über ein Fernstudium nachdenkst oder Fragen hast, schreib es mir gerne in die Kommentare.