mit mitte 30 nochmal studieren, laptop auf Gartentisch, Kinder im Hintergrund

Warum ich mit Mitte 30 nochmal studiere

Ich glaube, irgendwann im Leben kommt man an einen Punkt, an dem man sich fragt: wo geht es hin? Etwas verloren zwischen Alltag, Familie, Verantwortung. Mit Mitte 30 nochmal studieren, hätte mir das jemand vor fünf Jahren gesagt, hätte ich es nicht geglaubt.

Hat mein Leben doch in den letzten 3 Jahren so viele unerwartete Wendungen genommen, wieso also nicht auch diese? Ich habe mich von meinem langjährigen Partner und Vater meiner 3 Kinder getrennt, bin weggezogen, habe nochmal komplett neu angefangen…
… ich habe einen neuen Partner, der auch Kinder mitbringt, einen neuen Alltag, neue Routinen, Ziele, Denkweisen…

Und plötzlich sitze ich hier mit Mitte 30, möchte mich beruflich umorientieren, sitze vor meinen Skripten und denke: Wie bin ich eigentlich hier gelandet? Wieso nehme ich das auf mich? Und unterschätze ich das Ganze evtl? 

Eigentlich hatte ich mit dem Thema Studium abgeschlossen

Schon als ich 2015 mein Studium an einer staatlichen Universität abgebrochen habe, war ich mir relativ sicher: Das werde ich nicht mehr fertig machen. Vielleicht war ich sogar überzeugt davon, dass ich es nicht nötig hätte, habe ich mich doch zeitgleich selbstständig gemacht und das noch recht erfolgreich.

Doch wie das Leben spielt, kommt es oft ja anders als man denkt. Aus privaten und familiären Gründen (ich hatte damals bereits einen 2-jährigen Sohn), hatte ich mental, zeitlich und finanziell kaum noch die Möglichkeit, mein Studium zu beenden. Irgendetwas hätte darunter gelitten, nicht zuletzt ich. Nichtsdestotrotz denke ich, war es gut so wie es kam. Ich hatte andere Dinge im Fokus und auch diese Erfahrungen musste ich machen (Onlineshop/Selbstständigkeit).

Es ist auch nicht so, als hätte ich nicht darüber nachgedacht mein Studium nachzuholen. Doch es kamen Faktoren hinzu die machten es für mich unmöglich: 

ZEIT UND GELD

Wie sollte ich wieder zur Uni, Teilzeit arbeiten, mich um meine Kinder kümmern, lernen und wenigstens ab und zu mal Schlaf finden? Ich habe hin und her überlegt und gerechnet, doch es war einfach klar… der Zug ist abgefahren.

Warum ich jetzt trotzdem nochmal neu anfange

In meiner Selbständigkeit habe ich unglaublich viel gelernt und bin daran gewachsen. Ebenso auch als Mutter. 2019 und 2021 kam dann nochmal Nachwuchs dazu. 2023 dann die Trennung. 2024 ein Neuanfang an einem neuen Ort und neuem Leben. Ich halte diesen Teil bewusst kurz, denn es soll hier nicht um die Vergangenheit gehen. Was war, ist vorbei. Was mache ich nun daraus? 

Ich gebe zu, es hat auch immer etwas am Ego gekratzt, dass ich als einzige der Enkelkinder meiner Großeltern keinen Uni-Abschluss habe. Zudem nicht nur das, ich hatte letztendlich außer dem Abitur GAR KEINEN Abschluss. Keine Ausbildung, keine reale Berufserfahrung in einem Unternehmen. Die Selbstständigkeit hat mir viel beigebracht, doch das kannst man in der freien Marktwirtschaft gar nicht unter Beweis stellen. 

Ich war noch recht am Anfang meiner Jobsuche, wollte ich nicht mehr als Assistentin im Unternehmen meines Vaters arbeiten. Schnell habe ich bemerkt, die guten Jobs – keine Chance… Ich habe etliche Bewerbungen geschrieben, meist nicht mal eine Antwort erhalten. Kenne ich mich doch in so vielen Bereichen so gut aus, doch das bringt mir alles nichts. 

Und irgendwie reichte mir das auch nicht. Dafür hab ich zu viel von mir selbst gehalten. Ich weiß, ich brauche eine Herausforderung im Beruf. Irgendwann sind die Kinder aus dem Haus und dann?

Ganz stupide und beinahe schon frustriert frage ich also ChatGPT, was für Möglichkeiten ich denn eigentlich habe, da ich mein Studium damals abgebrochen hatte und keinen Berufsabschluss habe. 

Und da war sie… die erste Antwort von ChatGPT, die Antwort die mein Leben nun tatsächlich unerwartet in eine ganz neue Richtung geschoben hat. 

Die FERNUNI-HAGEN

TADAAA!!! Die kannte ich davor nicht…

Eine staatlich anerkannte Fern-Universität. Studieren in meinem Tempo und finanziell machbar. Selbstverständlich hatte ich von Fernhochschulen gehört und mich informiert, doch die waren alle nicht finanzierbar für mich. Die Fernuni-Hagen hingegen schon. Ich hatte die für mich vielleicht einzige Möglichkeit entdeckt zu studieren. 

Warum Fernuni Hagen?

  • flexibel (Module pro Semester in Anzahl und Thema wählbar, innerhalb des Lernplans)
  • Teilzeit dadurch möglich (z.B. nur 1-2 Module)
  • Mir werden auf Grund des selben Studienganges einige Module angerechnet
  • Selbstbestimmtes lernen, keine zeitlich bindenden Vorlesungen, Tutorien, Mentoriate

Fernstudium mit Kindern und Alltag - realistisch oder verrückt?

Sind wir ehrlich, jeder der Kinder hat, weiß wie herausfordernd diese Zeit sein kann, so schön sie auch ist. Das Unvorhersehbares eintritt ist eigentlich vorherzusehen, nur nicht wie. Wenn man dann noch arbeitet, wird es knapp mit der Zeit und der mentalen Kapazität, sich weiterzubilden. 
Unmöglich ist es natürlich nicht, aber sicherlich nicht einfach. 

GEDANKEN

Zwischen Alltag, Verantwortung und Müdigkeit bleibt manchmal trotzdem noch Platz für eigene Träume.

Auch wenn mein ältester Sohn hauptsächlich bei seinem Vater lebt, bin ich voll für die zwei Kleineren verantwortlich. Hinzu kommt, dass auch mein Partner 2 Kinder im selben Alter mitbringt. Somit haben wir 4 Kinder (aktuell 7,6,5 und 4 Jahre) im Haushalt. Gleichzeitig habe ich durch ihn eine enorme Unterstützung. Er hält mir den Rücken frei, wenn ich zu Prüfungen muss oder lernen möchte. 

Selbstorganisation is the key!

Gut, wer ein Fernstudium beginnt, der muss sich im Klaren sein, dass Motivation, Engagement und Organisation dazu gehören. Man hat niemanden von Außen, der sich um eine rechtzeitige Abgabe bemüht und kontrolliert ob du den Stoff beherrscht. 

Vorteil der Fernuni ist gleichzeitig, dass ich mir aussuchen kann, wieviele Module ich pro Semester machen möchte. Somit lässt es sich einigermaßen selbstständig steuern. 

Ich möchte diesmal anders lernen

Sind wir mal ehrlich, in der Schule habe ich gelernt und bin hin weil ich MUSSTE. Klar ist ein Studium freiwillig, dennoch hat es sich damals anders angefühlt. Ich bin direkt nach dem Abi Mutter geworden (Japp, hochschwanger meine Abiprüfungen geschrieben). Ich hatte keine Abifeier und kein Work-and-Travel. Als mein Sohn dann mit 2 in die Kita kam, „musste“ ich ja irgendwas tun. Irgendwo hin wollte ich doch irgendwann mal kommen. Bei der Uni Würzburg konnte ich mich zulassungsfrei für Wirtschaftswissenschaft einschreiben (kein NC erforderlich gewesen). Das klang leicht, einschreiben, hingehen, zuhören, Prüfungen…dachte ich. Zeitlich war das Ganze schon eine Herausforderung mit einem Kind, Haushalt, Nebenjob. Doch es ging. 4 Semester hatte ich geschafft. Die meisten Prüfungen bestanden, ein paar wenige geschoben. Es lief…wenn auch nicht so gut…es lief. 

Gelernt habe ich wie in der Schule: Man liest sich den Stoff durch, schreibt Zusammenfassungen, evtl. auch Karteikarten. Kurz vor der Prüfung wird dann das Hirn zum glühen gebracht. Es gleicht dem Versuch 5 Basketballspieler in einen Fiat Punto zu setzen: es klappt, aber lange fahren kann man so nicht. 

Diesesmal bin ich strukturierter. Zu meinem genaueren Plan werde ich weitere Beiträge veröffentlichen, z.B. welche Portale es gibt, nützliche Apps, Lernmethoden und lernen mit ChatGPT. Doch ich weiß jetzt schon, es wird anders. Kein stupides Auswendiglernen, außer es muss sein. Rechtzeitig anfangen und Hilfsmittel nutzen. Und ich hab BOCK! Ich sags euch, ich verspüre einen richten Hunger aufs lernen, kam es doch die letzten Jahre zu kurz. Mein Kopf freut sich darauf und kann es kaum erwarten. zudem sind natürlich auch 11 Jahre vergangen, seit ich abgebrochen habe –  ich bin mittlerweile auch reifer und ein anderer Mensch (wäre ja furchtbar wenn nicht). 

Vielleicht geht es gar nicht nur ums Studium

Oft im Leben habe ich mich hinten anstellen müssen, doch darüber möchte ich mich gar nicht beschweren. Es war der Lauf der Dinge, es musste so sein und ich habe es selbst so gewählt. Nun bin ich an einem Punkt, wo ich etwas NUR für mich machen möchte. Natürlich profitiert meine Familie irgendwann finanziell davon. Trotzdem sehe ich es als meine eigene Entwicklung, eigene Reise. Es mir selbst zu beweisen, wieder wachsen und Selbstvertrauen im Berufsleben steigern. Mich um meine Zukunft und die meiner Kinder und Familie kümmern. 

Vielleicht wird es chaotisch, vielleicht überfordert es mich manchmal komplett. Vielleicht wird es sich dennoch richtig anfühlen. Und vielleicht ist dieser Weg erstmal das Ziel und das ist auch gut so. 

Man sagt ja oft: man bereut die Dinge, die man nie getan hat. Das wäre so etwas. Ich würde mich das immer fragen. Und tatsächlich kann ich rückblickend auf die letzten 34 Jahre nicht behaupten, mein Mut hätte mich jemals enttäuscht oder ich hätte es bereut etwas zu wagen. 

Ich weiß nicht, wo ich in fünf oder zehn Jahren stehen werde.

Ob ich dieses Studium beenden werde.
Ob sich mein Leben bis dahin nochmal komplett verändert.

Aber allein dieser Blog fühlt sich schon nach einem Schritt in die richtige Richtung an.

Und vielleicht begleiten mich ja ein paar Menschen auf diesem Weg.

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